6 Jahre, 9 Monate und 20 Tage - solange musste ich warten, bis es endlich wieder so weit war:
Seychellen, wir kommen!
Es war eine lange und sehnsuchtsvolle Zeit bis unsere Füße (diesmal mit zwei Füßen mehr!) endlich wieder seychellischen Boden betreten konnten.
Wir: Mama, Papa, und Felix, 5 Jahre alt.
Leider hatte ich nicht immer die SLR mit, daher sind manche Fotos mit einer kleinen Knipse oder mit dem Handy gemacht und entsprechend ist dann die Bildqualität.
Aber der Reihe nach.
21.10.2012
Flug ab Hamburg mit Emirates nach Dubai. Emirates ist durch die gute Ausstattung mit einzelnen Bildschirmen in den Rückenlehnen hervorragend für so eine lange Reise mit einem fünfjährigen Kind geeignet. Die vielen Filmchen und Spiele die Felix unabhängig nutzen konnte hat das lange Stillsitzen erträglich gemacht.
Ankunft nachts, ab ins Hotel und schlafen.
21.10.-24.10.2012 Dubai
Da wir keinen Non-Stop Flug mit Felix wollten, entschieden wir uns für einen Zwischenstop in Dubai. Und wenn wir schon mal da waren (so hatten wir es ohne Kind schon einmal gemacht) dann wollten wir uns Dubai noch einmal ansehen. Einen Tag lang kurvten wir mit dem Big Bus durch die Stadt. Diese Busse fuhren etwa alle 20 Minuten und hielten an verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Man konnte aus- und wieder einsteigen wann und wo man wollte.
24.10.2012
Flug mit Emirates nach Mahé.
Nun also: 6 Jahre, 9 Monate und 20 Tage... Wir landen auf Mahé!
Es regnet. Aber wie schön so ein Tropenregen doch im Gegensatz zum Bremer Schietwetter sein kann!
Wir sammeln als eine der letzten unsere Koffer ein. In der Ankunftshalle wartete schon nervös unsere Bekannte Marylene und ihr Mann, bei denen wir auf Mahé wohnten. Erleichtert, dass wir heil da sind, fällt sie uns um den Hals.
Wir fahren zu ihr nach Hause nach Beolière.
Dort beziehen wir unser Zimmer. Ein muffiges kleines Zimmer im Souterrain, mit Bad, aber ohne richtigen Schrank. Geduscht wird kalt, warmes Wasser gibt es nicht, aber wir sind ja nicht in Sibirien. Keine allzu schöne Unterkunft für die nächsten Tage, aber wir wissen: der Luxus der Seychellen liegt sowieso außerhalb der Zimmer, egal welche Kategorie.
Nachdem wir uns umgezogen und erfrischt haben (das hielt aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nicht lange) gingen wir ins Haus und wurden mit frischen Trinkkokosnüssen begrüßt. Nach einer kurzen Verschnaufpause zieht es uns bzw. Felix an den Strand, bevor es dunkel wird.
Wir laufen die Straße hinunter, vorbei an der Ruine des Mahé Beach Hotels zum Strand bei Port Glaud.
Der Himmel ist grau, es nieselt, aber es ist warm, Felix - absoluter Flugdrachennarr - ist glücklich, dass er seinen kleinen Drachen steigen lassen kann.
Es dämmert, wir sollten aufbrechen. Nur eben die Straße wieder hoch. Es wird dunkler und dunkler, die Straße scheint von Schritt zu Schritt steiler zu werden. Wir keuchen, und kommen auch ohne Baden völlig durchnässt von unserem kleinen Strandausflug wieder an. Dort wurden wir schon am Abzweig zum Haus von Marylene erwartet, sie hatte sich schon etwas Sorgen um uns gemacht. Sie hatte gekocht, und wir haben unser Abendessen genossen. Noch etwas geplaudert, sind wir anschließend hundemüde ins Bett gefallen.
25.10.2012
Aufgewacht bei Vogelgezwitscher und wolkigem Himmel, haben wir erst einmal gefrühstückt und sind dann mit dem Bus Richtung Victoria gefahren. Es gab immer wieder Regenschauer, und somit bot sich ein kleiner Stadtbummel an.
Felix war fasziniert vom Fischmarkt. Ich weniger, vor allem als ich die Baby-Hammerhaie sah.
26.10.2012
Wir fuhren mit dem Bus über Victoria zur Anse Takamaka. Dort erinnerten wir uns noch wehmutsvoll an die großen Felsen am Südende beim Batista´s, in den wir das letzte Mal noch herumgeklettert sind, und die nun mit einem weiteren Gästehaus bebaut sind. Die anderen älteren Gebäude fügen sich ja noch gut in die Landschaft ein, sind noch gut versteckt. Das Haus mag ja an sich schön sein, aber nun sieht man schon von Weitem, dass die Bucht nicht mehr unberührt ist. Der Felsen verbaut. Schade.
27.10.2012
Heute, Samstag, hatte die ganze Familie frei, die Tochter schlief noch, der Ehemann schien dort nur sporadisch zu wohnen, und Marylene und der Freund ihrer Tochter, Kevin, wollten uns den Norden Mahés zeigen.
Also rauf auf Kevins Pickup (offensichtlich eines der bekanntesten und begehrtesten Autos auf Mahés, wie wir im Laufe unseres Aufenthaltes mehrmals feststellen konnten!) und ab ging es an Port Launay vorbei Richtung Bay Ternay. Kein (Kinder)sitz, kein Gurt, lässig auf der Ladefläche - Felix war begeistert. Ich bevorzugte allerdings den Beifahrersitz.
Vergessen wir einfach mal alle Bedenken und scheren uns auch nicht darum, dass so manch anderen Autofahrer wie verrückt fuhr, es keine Leitplanken gab, die einen im Zweifelsfall vielleicht vor den manchmal metertiefen Abgründen direkt neben der unbefestigten Straße aufgefangen hätten. Abenteuer müssen eben erlebt werden.
PickUp-Fahren ist cool:

Wir hielten oberhalb von Port Launay und hatten einen wunderbaren Blick auf die Bucht. Schade nur, dass diese traumhafte Bucht mit dem Ephelia Resort verschandelt wurde. Die orangen Hotelhandtücher auf den weißen Liegen strahlten mit den Blau- und Grüntönen des Wassers um die Wette.
Weiter ging es Richtung Bay Ternay, bis uns am verschlossenen Tor zwei Wachmänner begrüßten. Eine kleine Unterhaltung seitens Kevin und der Übergabe einer Buddel Takamaka Rum - und wir durften weiterfahren. Kevin, Verkaufsmensch bei besagter Firma, hatte vorgesorgt.
Wir schauten uns kurz in der Bay Ternay um. Leider war der Himmel ziemlich bewölkt, dazu noch Ebbe, daher war die Bucht nicht allzu umwerfend. Aber schön allemal, zumal man zukünftig von der Landseite wohl nicht mehr so einfach Zugang haben wird. Auch hier sei ein neues Hotel geplant.
Anschließend noch einen kurzen Besuch an der Anse Souillac, an der uns eine kleine Krabbe bewies, wie viel Kraft sie in ihren Scheren hat:

Weiter ging es vorbei an der Tea Factory zur Mission Lodge. Dort hatten wir einen herrlichen Ausblick über die Berge und die Küste.
Über Sans Souci ging es weiter zur Beau Vallon, wo sich unser Junior endlich im Wasser austoben konnte. Selbst die Pizza auf dem PickUp musste da warten!
Über Bel Ombre führte nun die Fahrt nach Danzil, und wir gingen zum Anfang des Trails der zur Anse Major führte. Dort an der Küste war ein riesiges Gebäude im Bau. An der Baustelle vorbei, hatte man dann einen fantastischen Blick über die Granitlandschaft und das Meer. Mittlerweile war der Himmel aufgerissen und die Farben des Meeres leuchteten unglaublich.
Spaß auf einem kippeligen Felsen:

Über Victoria, Plaisance, La Misère fuhren wir zur Grand Anse. Dort am Nordende fand ein landwirtschaftlicher Markt statt. Die exotischen Früchte, Gerüche und die Musik waren ein tolles Erlebnis.
An der Grand Anse rollten die Wellen, und wir waren nicht die einzigen, die dort ihren Spaß hatten:

Anschließend ging es in der Dämmerung zurück nach Beolière.
Da es mein Geburtstag war, hatte ich mir auf Nachfrage zum Abendessen ein Gemüsecurry gewünscht. Kevin war ausgebildeter Koch. Eine Kokosnuss aus dem Garten wurde frisch geraspelt. Das Curry einfach ein Hochgenuss.
Anschließend gab es dann noch eine Überraschungstorte. Was für ein rundum gelungener Geburtstag!
28.10.2012
Heute sollte Felix mal ordentlich auf seine Kosten kommen und sich richtig im Wasser austoben können, er hatte sich schon so lange auf einen Badetag gefreut. So verbachten wir den Tag an der Grand Anse und Port Launay, bis Felix gefühlte Schwimmhäute zwischen den Fingern bekam.
Beim Warten an der Bushaltestelle bei Port Launay sahen wir wie ein Einheimischer einen Palmenhut flocht. Wie geschickt er das konnte! Dann stand er auf, kam herüber und schenkte Felix den Hut.
Felix ist unheimlich stolz auf das schicke Ding. Im Handgepäck haben wir ihn auch heil nah Hause bekommen. Auch wenn dieser mittlerweile nicht mehr grün sondern braun ist, hat er nun einen Ehrenplatz in Felix Zimmer bekommen.
29.10.2012
Nach einer kurzen Shoppingtour in Victoria verbrachten wir den Tag mit Baden und Drachensteigen an der Grand Anse. Gemeinsam mit einem Einheimischen haben wir eine Sandburg gebaut. Der perfekte Tag für Felix. Nur die Sandfliegen haben uns nach dem Baden gnadenlos überfallen.
Traumhafte Bedingungen zum Drachensteigen:

30.10.2012
Da sich heute am Himmel nur wenig Wolken zeigten, fuhren wir mit dem Bus bis zur Teefabrik und machten uns dann auf den Weg zum Morne Blanc. Wir keuchten und schwitzten, Felix schien es nicht so anzustrengen wie uns, jedenfalls sabbelte er fast unentwegt, während wir den Berg hochjapsten und kaum Puste für eine Unterhaltung hatten. Oben angekommen wurden wir mit einem grandiosen Blick belohnt.
Der Abstieg war nicht weniger anstrengend, man musste sehr aufpassen, nicht wegzurutschen. Wir konzentrierten uns auf den Weg, da rief Felix plötzlich: „Eine Schlange“. Tatsächlich, dort schlängelte sich eine kleine schwarze Schlange über den Weg! Eine Seychellen-Wolfsschlange, wie wir nachher herausfanden. Sie hielt sogar einen Moment still, so dass ich schnell ein paar Fotos machen konnte, leider nicht ganz scharf.
Das war ein tolles, wohl auch seltenes Erlebnis! Felix erzählt noch heute stolz, dass ER die Schlange entdeckt hat... und Papa fast draufgetreten wäre.
Seychellen-Wolfsschlange:

Nach unserem Abstieg machten wir eine Pause in der Teefabrik, allerdings war uns eher nach einer eiskalten Erfrischung anstatt eines heißen Tees.
Dann wollten wir mit dem Bus hinunter nach Port Glaud fahren. Auf Nachfrage beim netten Kellner sagte er uns, der Bus würde in etwa einer Stunde fahren. Hm, das ist lang. Aber, meinte er, der Weg wäre ja nicht weit, etwa 20 Minuten, und ist ja nur bergab. 20 Minuten kamen uns etwas untertrieben vor, aber da wir nicht einfach herumsitzen und warten wollten, machten wir uns auf den Weg. Sollte unterwegs ein Bus kommen, könnten wir ja vielleicht noch einsteigen. Also einfach mal losmarschiert. Und marschiert. Und marschiert. Nachdem unser Junior anfangs noch Spaß hatte, stellte sich eine gewisse Laufunlust ein. Da uns langsam dämmerte, dass das mit dem Bus wohl nichts mehr wird und ja auch schon noch ein ganzes Stück vor uns hatten, mussten wir uns etwas einfallen lassen. Aufgeben war nicht! In weiser Voraussicht habe ich die von Felix am Vorabend gemalte Schatzkarte (wie wohl so fast jeder Junge in seinem Alter ist Felix ein begeisterter Schatzsucher und wollte das auch auf den Seychellen tun) sowie ein paar Süßigkeiten eingepackt. Gut, um es vorweg zu nehmen, den legendären Piratenschatz von La Buse haben auch wir nicht gefunden. Aber Dank der Schatzkarte fanden wir tatsächlich den Weg hinunter bis zum Strand, und oh Wunder, steckte da nicht sogar eine kleine Leckerei im Sand!??! Felix hatte also tatsächlich einen Schatz gefunden!

Wo geht es hier nur zum Schatz?!!?

Wir haben natürlich länger als 20 Minuten für den Weg gebraucht, aber auch die kurzen Beine haben die insgesamt ca. 660m von der Aussichtsplattform auf dem Berg bis hinunter zum Strand Dank der Schatzsuche gut geschafft.
Nachmittags haben wir uns am Strand von Port Launay erholt, oder eher das warme Wasser genossen.
31.10.2012
Marylene hatte sich heute frei genommen und wir sind mit dem Bus zur Anse Royale gefahren. Nach einem Strandspaziergang, Kokosnussweitwurf, Muscheln sammeln und etwas Felsenklettern ging es weiter nach Victoria, wo uns Marylene noch ein wenig die Stadt zeigte.
Nachmittags nahmen wir noch ein kurzes Bad in Port Launay, auch wenn die Bucht leider recht voll und touristisch war, so bot sie uns von unserer Unterkunft aus doch die schnellste Möglichkeit, einen Strand zu erreichen, an dem auch kleine Kinder gut baden können. Dass auch dort Gefahren lauern, sollten wir bzw. Felix noch am vorletzten Tag erfahren.
01.11.2012
Heute ging es nach La Digue! Meine Lieblingsinsel!
Ein Bekannter von Marylene brachte uns früh morgens zum Flughafen, und auch wenn ich bei den kleinen Inselhopsern immer etwas Bedenken habe, weil mein Magen leider nicht so flugtauglich ist, so war es doch ein toller ruhiger Flug mit einem wunderschönen Blick auf die Inselchen, Riffe und Farben in allen Blautönen. Immer wieder faszinierend.
Leider mussten wir lange und vergeblich am Kofferkreisel am Flughafen auf Praslin warten, weil Felix kleiner Rucksack sich offensichtlich wieder klammheimlich auf den Rückflug nach Mahé gemacht hat (dem hat der Flug wohl auch gut gefallen), und haben wir unsere Fähre verpasst. Man würde uns den Rucksack nachbringen. So warteten wir am Hafen von Praslin auf die nächste Fähre und hatten genug Zeit, die bunten Fische im Hafenbecken zu beobachten, was Felix total klasse fand.
Auf La Digue angekommen, wurden wir tatsächlich noch mit dem Ochsenkarren zu unserem Gästehaus, Chez Marston, gebracht. Wir richteten uns im Zimmer ein und machten gleich vom Restaurant Gebrauch. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel zum Hafen, und kümmerten uns auch gleich um Fahrräder für die nächsten Tage.
Die „zentrale“ Lage war mit Kind perfekt. Wir waren schnell für einen kleinen Bummel am Hafen, und meine Bemerkung, es sei ja praktisch in direkter Nachbarschaft zum Inselhospital für den Fall der Fälle zu wohnen, sollte sich leider noch bewahrheiten. Auch in dem Zusammenhang war es gut, die Fähre schnell und zu Fuß gut erreichen zu können.
Das Chez Marston ist eine nette kleine Anlage, mit einem Restaurant, das auch die Vorlieben eines Kindes erfüllt. Leider gab es auch dort hinter den Zimmern ein Gehege mit mehreren Schildkröten, die im Matsch herumdümpelten. Ich frage mich immer wieder, warum die Gästehäuser so etwas tun. Ob sie den Touristen damit einen Gefallen tun wollen?!
02.11.2012
Heute wollten wir Radfahren. Wir hatten uns in Anbetracht der Tatsache, dass Felix gerne mal den Kamikaze-Stil fährt und die Straßen La Digues ja mittlerweile nun auch mit einigen Autos und noch mehr Radfahrenden Touristen bevölkert waren (nicht zu vergessen: die halsbrecherische Abfahrt zur Grand Anse!) für ein Tandem entschieden. Felix fand´s sogar cool. Somit sind wir nach dem Frühstück mit dem Rad über die Nordspitze bis zum Wegesende an der Anse Fourmis gefahren. Wir trafen eine Landschildkröte am Wegesrand (war es die gleiche, die wir schon vor 6 Jahren dort in der Nähe gesehen haben?) und genossen die teilweise grandiosen Ausblicke. Schade dass das Patatran so gewaltig aufgestockt hat. Die Anse Patates hatte nun auch Ihre Unschuld verloren, und wo sollten nur all die Touristen hin, für die die vielen Zimmer gebaut wurden?
Auf dem Rückweg, wir waren nur noch wenige Meter vom Chez Marston entfernt, schrie Felix fürchterlich auf und weinte heftig. Er war mit seinem linken Fuß in die ungesicherte Fahrradkette gekommen! Wir nahmen die Gummisandale ab, der Fuß blutete und war ölverschmiert. Der rechte Fuß schien in Ordnung. Aber wir sahen, dass er damit offensichtlich ans Kettenrad gekommen war, das wie eine Kreissäge die Schuhsohle durchsägt hat! Dabei läuft einem auch bei der größten Hitze ein Schauer über den Rücken. Wir schulterten den schreienden Felix und gingen die zum Glück nur wenigen Meter zum Inselhospital. Dort wurde sein Fuß untersucht. Die Schreie, als der Arzt, offensichtlich nicht gerade gut im Umgang mit vor Angst und Schmerz schreienden Kindern, die verletzte Stelle drückte, werde ich nie vergessen. Leider konnte der Arzt nicht feststellen, ob der Fuß gebrochen war, ein Röntgengerät hatte das Hospital nicht. Der Arzt glaubte nicht wirklich an einen Bruch, empfahl uns aber, auf Praslin eine Röntgenaufnahme machen zu lassen.
Felix wurde mit Schmerzmitteln, Verband und Antibiotika versorgt, und wir gingen anschließend zum Zimmer und packten ein paar Sachen ein. Da es schon nachmittags war, die nächste Fähre erst um 15:30 fuhr und wir nicht wussten wie lange es auf Praslin dauern würde und ob wir rechtzeitig noch die Fähre zurück nach La Digue schaffen würden, mussten wir uns auf eine mögliche Übernachtung auf Praslin einstellen.
Endlich im Hospital auf Praslin angekommen, bekamen wir schon bei den Damen am Empfang einen Eindruck, was uns hier noch an menschlicher Kälte erwarten sollte. Eine Schwester, die sich am Empfang im Sessel lümmelte, warf uns einen mürrischen Blick zu und wies uns mit wedelndem Arm an, wir sollten uns weiter den Gang herunter melden. Wir liefen, mein Mann mit Felix auf dem Arm und ich mit Rucksack und Trolley, den Gang entlang und gaben die Unterlagen vom Hospital auf La Digue ab, erzählten was geschehen war. Anschließend sollten wir im Flur warten. Dort warteten schon andere Patienten. Es wurde auf dem Flur bei einem Patienten Fieber gemessen, und offensichtlich vor allen anderen Patienten Krankengeschichten ausgetauscht. Die hygienischen Verhältnisse für unsere Begriffe schlimm. Endlich winkte uns eine andere Dame heran, wir also wieder schwer beladen zu ihr, aber sie verwies nur auf einen Mann, dem wir folgen sollten. Keine Ahnung, was das für einer war. Ein Arzt? Derjenige der die Röntgenaufnahme macht? Ein Mitarbeiter, der uns den Weg zeigen wollte? Nicht dass uns hier mal jemand etwas sagen oder erklären würde. Der Mann eilte die Flure entlang, vor uns knallten die Türen wieder zu, so schnell kamen wir mit Kind und Gepäck gar nicht hinterher. Auf die Idee, uns die Türen aufzuhalten kam er überhaupt nicht. Wir wurden in einen eiskalten Raum gebracht, dort wurde die Röntgenaufnahme gemacht. Kein nettes Wort, nicht die Anzeichen einer tröstenden Geste. Die Röntgenaufnahme wurde uns gereicht, auf unsere Nachfrage schien der Fuß in Ordnung zu sein, er sähe nicht so aus, dass etwas gebrochen sei. Mehr nicht. Was nun geschehen würde, fragten wir. Hm, nichts weiter, aber wenn wir wollten, könnten wir ja noch mal mit dem Arzt sprechen. Also meldeten wir uns wieder am Empfang, und warteten auf den Arzt. Wir erwähnten, dass wir unbedingt die letzte Fähre nach La Digue bekommen wollten. Als der Arzt endlich kam, hätte ich ihn mit seiner Art, welcher der Temperatur des Röntgenraumes entsprach, auf der Stelle erwürgen können. Er sah sich den Zettel vom Hospital auf La Digue an, fragte ob wir ein Röntgenbild hätten. Hm, sähe in Ordnung aus. Wie denn der Fuß aussähe, würde da Knochen herausschauen? Wie bitte!??!
Wenn es bei meinem ersten Versuch, ihn zu erwürgen nicht geklappt hätte, jetzt hätte es geklappt. Ich sagte, nein, es wäre kein Knochen sichtbar, aber ob er sich den Fuß nicht mal ansehen wolle? Daraufhin sollte ich den Verband abwickeln. Die Wundpflaster welche im Hospital auf La Digue auf die Wunde gelegt wurden, hob ich bis auf eins an, da es fester klebte. Der Arzt winkte ab, das bräuchte ich nicht abmachen. Ich könne den Verband wieder anlegen. Ohne die Verletzung wirklich gehen zu haben, meinte er, das sei wohl in Ordnung. Wir könnten dann zum Empfang gehen und das Röntgenbild bezahlen.
Wir erwarten nicht, dass wir als Ausländer bevorzugt behandelt werden, aber die Art wie dort offensichtlich – auch noch mit kleinen – Patienten umgegangen wird fanden wir einfach nur unmöglich.
Wir bezahlten schnell das Röntgenbild (die Untersuchung war kostenlos) und baten, uns ein Taxi zu rufen. Ob wir denn eine Telefonnummer hätten!?!? Äh, nee, gerade nicht dabei. Die Dame am Empfang fing dann an zu suchen, und telefonierte. Momentan kein Taxi frei. Aber sie versuchte es woanders. Sie erreichte einen, der sollte in 10 Minuten kommen.
Die Zeit bis zur Fährabfahrt wurde verdammt knapp, und so gingen wir schon mal nach draußen, in der Hoffnung schon vorher ein vorbeifahrendes Taxi zu erwischen. Wieder heraus aus dem Hospital trafen wir auch wieder auf die sympathische Art der Einheimischen, wie wir sie bislang kannten. Ein Pickup hielt an, ob er uns mitnehmen könnte. Doch in dem Moment kam auch unser Taxi, und mit einem Dankeschön an den Fahrer des PickUps stiegen wir ins Taxi, der uns schnell zum Hafen brachte.
Erleichtert, dass nichts gebrochen war, wir noch die letzte Fähre geschafft haben und Felix dank Schmerzmittel wieder besserer Laune hatte, kamen wir wieder im Gästehaus an. Dort erkundetet man sich gleich, wie es Felix ginge.
Natürlich ganz abgesehen von Felix Schmerzen und unserer Angst, hätten wir gerne auf die Erfahrung in seychellischen Hospitälern verzichtet.
Wenn man dem Ereignis etwas Positives abgewinnen kann: Felix möchte an seinem nächsten Fahrrad nun doch einen Kettenkasten haben, nachdem er sich schon seit längerem ein cooles Mountainbike wünscht. Schade nur, dass er auf diese schmerzvolle Weise kennengelernt hat, warum wir einen Kettenschutz schon vorher für sinnvoller hielten...
03.11.2012
Schon am nächsten Tag stieg Felix wieder mutig auf´s Rad, immer wieder betonend, dass er gut aufpassen würde. Das Schmerzmittel das er alle paar Stunden nehmen musste, tat seine Wirkung. Gut, wenn er den Mut wieder gefunden hat, wollen wir ihn nicht davon abhalten, auch wenn es eigentlich totaler Wahnsinn ist. Aber das wird hoffentlich kein zweites Mal passieren. Nein, da hatte er sich dann später auf Mahé noch etwas anderes ausgesucht...
Wir radelten also nach dem Frühstück (und damit sind wir immer früh dran) zur Grand Anse. Wir waren sogar die Ersten. Kurze Zeit später kamen zwei Polizisten, dann weitere Touristen. Wir genossen den Anblick der Brandung und des noch einigermaßen leeren Strandes. Dann kamen immer mehr Touristen. Fotografieren mochte man jetzt eh nicht mehr, und so gingen wir in die Strandbar. Wir sahen, wie sich nach und nach der „Parkplatz“ mit Rädern füllte und so mancher sogar noch sein Rad an der Strandbar vorbei Richtung Strand durch den Sand schob. Wir saßen etwa eine halbe Stunde in der Bar, es kamen immer mehr Menschen. Wir ahnten Böses, als wir den vollen Fahrradparkplatz sahen und riskierten noch mal einen Blick auf den Strand. Nein, das war nicht die Grand Anse, wie wir sie kannten und liebten. Wir haben die Menschen nicht gezählt, aber es war uns eindeutig zu viel und wir traten den Rückweg an. Morgens gegen 10 Uhr!
Noch vor 10h vor der Grand Anse. Eine Foto vom Strand habe ich mir erspart.

Abends besuchten wir dann zu unser aller Forumsfotograf, Fotomann Torsten mit Sabrina und Tom, die in der Island Lodge wohnten. Wir brachten eine Flasche Takamaka Bay mit (den wir schon tagsüber auf ihrer Terrasse im Calou deponiert hatten und nach Nachricht ihres Umzuges in die Island Lodge noch schnell gerettet haben), und trotz der Mücken hatten wir einen gemütlichen Abend, aber Felix wurde bald müde und wollte zurück. Naja, er hatte ja auch noch mit seinem verletzten Fuß zu kämpfen und das Antibiotika tat wohl sein Übriges.
04.11.2012
Ernüchtert von den Menschenansammlungen an der Grand Anse bereits am späten Morgen, radelte ich allein schon um kurz nach 6 Uhr zur Union Estate. Das kleine Tor war schon auf, aber ein Aufpasser stand auch schon bereit. Um 7 Uhr könne ich rein, dann wäre geöffnet und auch die Kassiererin wäre dann da. In mittlerer Verzweiflung erklärte ich ihm, dass ich gerne Fotos machen wollte, möglichst ohne Menschen im Bild. Ob ich denn wirklich noch so lange warten müsse und ich nicht den noch leeren Strand genießen könne?
Er winkte mich dann durch und wünschte mir viel Spaß. Danke, geht doch!
Ich war wirklich allein an der Source d`Argent, der Himmel und das Licht waren zwar nicht wirklich gut für Fotos, aber ich war ALLEIN! Leider konnte man unschwer die Zeichen der Zivilisation am ansonsten menschenleeren Strand erkennen. Nicht nur eine kleine Bar, den Hochzeitsbogen, sondern auch Müll, Müll, Müll. Inklusive einem rostigen Fass. Enttäuscht und traurig verstand ich nicht, wie man so ein Kleinod so verramschen konnte. Dennoch genoss ich die spektakulären Felsformationen und staunte immer wieder über die Schönheit der Natur.
Gegen 8 Uhr verließ ich die Union Estate.
Wunderschöne Einsamkeit an einem wunderschönen Strand am frühen Morgen:

Wieder zurück, frühstückten wir gemeinsam und radelten dann wieder an die Ostküste. An der Anse Grosse Roche bastelten wir Schiffchen aus Stöcken, Blättern und Kokosnussschalen und Felix war stolzer Kapitän.
Gegen 17h standen wir wieder gemeinsam am Eingang zur Union Estate, nun aber es hieß es, heute könne man nicht mehr rein. Die Begründung habe ich nicht verstanden. Bedröppelt erzählten wir, dass wir doch EINMAL zur Source d`Argent wollten und morgen abreisen würden. Nun gut, das war jetzt um einen Tag geschummelt, aber wir wollten ja nicht tagsüber an den Strand, und wer weiß ob wir das morgen spätnachmittags noch schaffen würden, wir mussten ja auch noch packen. Ein wenig enttäuscht dreinblickend und lieb lächelnd, konnten wir dann passieren.
Auf dem Weg zur Source d`Argent kamen uns wieder jeder Menge Radfahrer entgegen, sogar moderne Ochsenkarren-Busse von Mason`s. Au weia, sollte es wirklich so schlimm geworden sein?! Ja, war es.
Es waren zwar noch einige Besucher da, aber es leerte sich so nach und nach. Weniger konnten wir wohl auch nicht mehr erwarten. Es fing an zu dämmern, was eine schöne Stimmung zauberte, aber fototechnisch war für mich nicht mehr viel herauszuholen.
Aber unser aller Forumsfotograf Torsten war noch mit dem Shooting eines Brautpaares beschäftigt. Er konnte die schlechten Lichtverhältnisse sicherlich wesentlich besser nutzen als ich. Das wäre ja auch noch schöner...

Kurz bevor es richtig dunkel wurde, traten wir den Rückweg an.